Weckmann-Rezept – Stutenkerl backen wie vom Bäcker
Anfang November liegen sie in jeder Bäckerei: goldbraune Kerle aus süßem Hefeteig, mit Rosinenaugen und einer weißen Tonpfeife im Arm. Selbst gebacken sind vier Stück in zweieinhalb Stunden fertig – und der größte Teil davon ist Wartezeit, in der der Teig allein arbeitet.
Der Teig ist ein klassischer süßer Hefeteig und leicht zu treffen. Die eigentliche Hürde ist das Formen: Arme und Beine wachsen beim Gehen wieder zusammen, wenn man zu zaghaft einschneidet.
Weckmann, Stutenkerl oder Grittibänz?
Es ist im Kern dasselbe Gebäck – nur der Name wechselt mit der Region. Wer im Rheinland „Stutenkerl" sagt, wird ebenso schief angeschaut wie jemand, der in Münster einen „Weckmann" bestellt. Und es sind weit mehr als zwei Namen: Die Grenzen sind unscharf und verlaufen oft mitten durch ein Bundesland.
| Name | Vor allem in | Woher der Name kommt |
|---|---|---|
| Weckmann, Weckmännchen | Rheinland, Saarland, Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Franken | Nach dem Teig: „Wecken" ist ein Hefeteig aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser – ohne Zucker |
| Stutenkerl, Stutenmännchen | Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Westfalen | Ebenfalls nach dem Teig: „Stuten" ist der süße Hefeteig mit Zucker und Fett |
| Grittibänz, Grättimaa | Deutschschweiz; als Grättimaa auch Basel und Südbaden | Bezieht sich auf die gespreizten Beine der Figur |
| Krampus | Bayern und Österreich | Dort gehört die Figur zum Nikolaus am 6. Dezember |
| Klausenmann | Zwischen Donau und Lech | Nach dem heiligen Nikolaus |
| Piepenkerl | Ostwestfalen-Lippe, östliches Münsterland | „Piepe" steht für die Pfeife |
| Dambedei | Nordbaden, Pfalz, Südhessen | Herkunft unklar – möglicherweise verwandt mit einem Wort für tapsige Menschen |
| Buckmann, Buggemann | Raum Viersen und Mönchengladbach | Spielt auf den dicken Bauch der Teigfigur an |
| Pumann | Westliches Ruhrgebiet und Rheinland | Wie bei Weckmann benennt das Grundwort die Menschenfigur |
| Pitschmann | Nordeifel bis Köln | Wie bei Weckmann benennt das Grundwort die Menschenfigur |
| Piefekopp | Bergisches Land | Wie bei Weckmann benennt das Grundwort die Menschenfigur |
| Manele, Manala | Elsass | Elsässisch für „Männlein" |
| Boxemännchen | Luxemburg | Wie bei Weckmann benennt das Grundwort die Menschenfigur |
Ein Detail, das die meisten Rezepte unterschlagen: Weckmann und Stutenkerl bezeichnen streng genommen nicht dasselbe Gebäck, sondern zwei verschiedene Teige. „Stuten" ist der süße Hefeteig mit Zucker und Fett, „Wecken" der schlichte aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser. In der Praxis ist diese Trennung längst verwischt – auch das Rezept hier unten ist ein süßer Stuten-Teig, ganz gleich, wie die Figur bei dir heißt. Wer es original will, lässt Zucker und Butter weg; das Ergebnis schmeckt dann allerdings eher nach Brötchen als nach Gebäck.
Warum es Weckmänner gibt – und warum mit Pfeife
Es gibt zwei Termine, nicht einen: den Martinstag am 11. November und den Nikolaustag am 6. Dezember. Welcher gilt, hängt von der Region ab – im Rheinland kommt der Weckmann nach dem Laternenumzug zu St. Martin, in vielen anderen Gegenden ist der Nikolaustag der eigentliche Haupttermin. Beide Bräuche haben denselben Kern: eine Bischofsfigur aus Teig, die verschenkt wird.
Und genau daher stammt auch die Pfeife. Die Figur stellte ursprünglich einen Bischof dar – Nikolaus oder Martin von Tours – und trug einen Krummstab. Aus diesem Stab wurde im 17. und 18. Jahrhundert eine Tonpfeife, in der Blütezeit der europäischen Pfeifenbäckereien. Warum, ist nicht abschließend geklärt; die naheliegendste Erklärung ist der Einfluss der Reformation: In protestantisch gewordenen Regionen gab es keine Bischöfe mehr, und das katholische Sinnbild wurde verweltlicht. Daneben wurde die Pfeife später schlicht als Zeichen von Männlichkeit gelesen.
Das Weckmann-Rezept
- 500 g Weizenmehl (Type 405)
- 250 ml lauwarme Milch
- 42 g frische Hefe
- 80 g Zucker
- 80 g weiche Butter
- 1 × Ei (Größe M)
- 1 Prise Salz, optional Abrieb einer halben Bio-Zitrone
- Zum Verzieren:
- ca. 20 Rosinen für Augen und Knöpfe
- 1 × Eigelb zum Bestreichen, mit 2 EL Milch verquirlt
- 4 × Tonpfeife (optional)
- Werkzeug:
- Rührschüssel, Knethaken, Küchenwaage, Küchentuch, Backblech mit Backpapier, Küchenschere, Backpinsel
Anleitung in 6 Schritten
-
Hefeteig ansetzenErwärme 250 ml Milch, bis sie sich handwarm anfühlt – auf keinen Fall heißer als 37 °C, sonst stirbt die Hefe ab. Ein guter Test: Ein Tropfen auf dem Handrücken darf sich weder warm noch kalt anfühlen. Bröckle 42 g frische Hefe hinein und rühre, bis sie sich gelöst hat. Mit Trockenhefe geht es anders herum: Ein Päckchen (7 g) wird trocken unter das Mehl gemischt und kommt nicht in die Milch. Gib 500 g Mehl, 80 g Zucker, 80 g weiche Butter, das Ei, die Prise Salz und nach Wunsch etwas Zitronenabrieb dazu und knete alles 5 Minuten durch. Der Teig ist fertig, wenn er sich vom Schüsselrand löst und sich glatt und elastisch anfühlt – klebt er noch stark, gib löffelweise Mehl nach. -
60 Minuten gehen lassenDeck die Schüssel mit einem feuchten Küchentuch ab und stell sie an einen warmen, zugfreien Ort. Nach etwa einer Stunde soll sich der Teig sichtbar verdoppelt haben. Wenn deine Küche kühl ist, stell die Schüssel in den auf 35 °C vorgeheizten und wieder ausgeschalteten Ofen – dann klappt es zuverlässig. -
Teigrollen formenKnete den Teig auf einer leicht bemehlten Fläche kurz durch, damit die groben Gasblasen entweichen. Teile ihn in gleich große Stücke von je etwa 230 g – das ergibt pro Blech 4 Weckmänner. Wieg sie ab, dann werden alle gleich groß und brauchen dieselbe Backzeit. Roll jedes Stück zu einer etwa 20 cm langen Rolle, die zum oberen Ende hin etwas dicker bleibt. Dort entsteht gleich der Kopf. -
Kopf, Arme und Beine formenRoll mit beiden Handkanten etwa ein Viertel von oben eine Einschnürung – das ist der Hals. Schneide dann mit der Küchenschere links und rechts unterhalb des Halses schräg nach unten ein und zieh die Arme deutlich vom Körper weg. Für die Beine schneidest du das untere Drittel mittig auf und spreizt die Hälften auseinander. Schneide großzügiger, als es am Ende aussehen soll, und lass zwischen Armen und Körper sichtbar Luft – beim Gehen wächst der Teig wieder zusammen. -
Weitere 30 Minuten gehen lassenSetz die Figuren mit gutem Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech – sie gehen noch einmal deutlich in die Breite. Deck sie locker mit einem Tuch ab und lass sie 30 Minuten ruhen. Diesen Schritt bitte nicht überspringen: Ohne zweite Gare reißt die Oberfläche im Ofen auf und der Weckmann wird innen klitschig. Heiz den Ofen in dieser Zeit auf 180 °C Ober-/Unterhitze vor – wer mit Umluft backt, nimmt 160 °C. -
Verzieren und backenDrück die Rosinen als Augen und Knöpfe tief in den Teig, sonst fallen sie beim Backen heraus. Verquirl das Eigelb mit 2 EL Milch und bestreich die Figuren rundherum – das gibt den Glanz. Back sie 15 bis 20 Minuten auf mittlerer Schiene, bis sie gleichmäßig goldbraun sind; ab Minute 12 lohnt der Blick durch die Scheibe, weil die dünnen Arme schneller dunkeln als der Rumpf. Die Tonpfeife steckst du erst nach dem Backen in den noch warmen Arm.
Weckmann formen: worauf es ankommt
Das Formen entscheidet darüber, ob am Ende ein Kerl oder ein Fladen auf dem Blech liegt. Vier Regeln reichen:
- Proportion: Der Kopf nimmt etwa ein Viertel der Gesamtlänge ein, die Beine reichen bis zur Hälfte hoch. Wirkt der Kopf beim Formen einen Tick zu groß, stimmt es nach dem Backen meist genau.
- Tief einschneiden: Die Schnitte für Arme und Beine gehen fast bis zur Mitte des Teigs. Ein zaghafter Schnitt ist nach der zweiten Gare unsichtbar.
- Abspreizen statt nur schneiden: Zieh Arme und Beine nach dem Schnitt aktiv auseinander, sodass zwischen ihnen ein Spalt von ein bis zwei Zentimetern bleibt.
- Schere statt Messer: Eine Küchenschere trennt den weichen Teig sauber; ein Messer zieht ihn eher in die Länge.
Wie vom Bäcker: fünf Details
Der Unterschied zwischen einem selbstgebackenen und einem gekauften Weckmann steckt selten im Rezept, sondern in Kleinigkeiten:
- Milch statt Wasser macht die Krume feiner und weicher. Wasser ergibt eher Brötchen-Charakter.
- Nicht an der Butter sparen. 80 g auf 500 g Mehl sind das Minimum für einen Teig, der auch am nächsten Tag noch saftig ist.
- Über Nacht im Kühlschrank gehen lassen statt eine Stunde bei Wärme: Der Teig entwickelt deutlich mehr Aroma. Dazu die Hefemenge halbieren und die Schüssel abgedeckt 12 Stunden kalt stellen, danach direkt weiterarbeiten.
- Zweimal bestreichen: einmal vor dem Backen, einmal nach etwa zwei Dritteln der Backzeit. Das ergibt den kräftigen Glanz, den man aus der Auslage kennt.
- Lieber 180 °C als 200 °C. Bei hoher Hitze ist die Oberfläche braun, bevor der dicke Rumpf durchgebacken ist.
Quark-Öl-Teig: die schnelle Variante ohne Hefe
Wenn die Zeit fehlt oder der Hefeteig nicht klappen will, ist der Quark-Öl-Teig die verlässliche Alternative: keine Gehzeit, nach 15 Minuten Arbeit geht das Blech in den Ofen.
Dafür verknetest du 250 g Magerquark, 100 ml Milch, 100 ml neutrales Öl, 100 g Zucker, 1 Ei, 500 g Mehl, 1 Päckchen Backpulver und eine Prise Salz zu einem glatten Teig. Geformt wird genauso wie oben, gebacken wird bei 180 °C ebenfalls 15 bis 20 Minuten.
Ehrlich gesagt: Der Unterschied schmeckt man. Quark-Öl-Teig wird etwas kompakter und trocknet schneller aus – am Backtag ist er prima, am nächsten Tag deutlich schlechter als der Hefeteig. Für den spontanen Nachmittag mit Kindern ist er trotzdem die bessere Wahl, weil das Warten wegfällt.
Glutenfreier Weckmann
Glutenfrei funktioniert, verlangt aber eine andere Handhabung. Nimm eine fertige glutenfreie Mehlmischung für Hefeteig im Verhältnis 1:1 zum Weizenmehl und gib 1 EL Flohsamenschalen dazu – sie ersetzen einen Teil dessen, was sonst das Klebereiweiß leistet. Drei Dinge sind anders:
- Der Teig ist klebrig und nicht knetbar. Er lässt sich nicht rollen wie Weizenteig – forme die Figuren mit angefeuchteten Händen direkt auf dem Backpapier.
- Nur einmal gehen lassen. Glutenfreier Teig hält die Gärgase schlechter; nach einer zu langen zweiten Gare fällt er zusammen. Also formen, 20 bis 30 Minuten gehen lassen, backen.
- Etwas länger backen – rechne mit 20 bis 25 Minuten und decke die Figuren ab, wenn sie zu schnell dunkeln.
Häufige Probleme & Lösungen
Aufbewahren und einfrieren
Frisch gebacken schmeckt ein Weckmann am ersten Tag am besten, am zweiten ist er noch gut. Danach wird Hefeteig trocken – verdorben ist er deshalb nicht, aber der Unterschied ist deutlich.
- Nicht in den Kühlschrank: Dort altbackt Hefegebäck schneller als bei Zimmertemperatur.
- In einem Brotbeutel oder Küchentuch aufbewahren, nicht luftdicht in Plastik – sonst wird die Kruste weich und klebrig.
- Einfrieren klappt gut: vollständig abgekühlt einzeln einwickeln, bis zu 3 Monate haltbar. Zum Auftauen 10 Minuten bei 150 °C in den Ofen, dann schmeckt er fast wie frisch.
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Häufige Fragen zum Weckmann
Antworten auf die meistgestellten Fragen rund um Weckmann und Stutenkerl:
Es gibt zwei Anlässe: den Martinstag am 11. November und den Nikolaustag am 6. Dezember. Welcher gilt, hängt von der Region ab – im Rheinland gehört der Weckmann zum Laternenumzug, in vielen anderen Gegenden ist der Nikolaustag der Haupttermin. Hinter beidem steht dieselbe Idee: eine Bischofsfigur aus Teig, die verschenkt wird.
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